Die Künstler

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Bassem Dahdouh

Geboren 1964 in Damaskus. Bemerkenswert ist die Entschlossenheit dieses Künstlers, der sich als Beobachter des Krieges, der tiefen, nicht heilbaren Wunden in den Seelen, präsentiert. Er ist, wie sein Künstlerkollege Omran Younes, der konsequenteste unter den ausstellenden Künstlern, in der Verarbeitung der Auswirkungen und Folgen des Dramas, die er in seinen Bildern in Form von dunklen und grauen Linien und Schatten wiedergibt. Kennzeichnend ist dabei auch die Zähmung der Formen durch seine ihm eigene klare Straffheit der Maltechnik und die Sensibilität der Dramaturgie des Bildes. Das zeigt sich deutlich in der wechselnden Reinkarnation zwischen Stier und Mensch einhergehend mit der Symbolik der griechischen Mythologie und den an Picasso anmutenden Schwärzungen. Ein Kunstkritiker sagte über ihn, er gieße den Schmerz auf die Bildfläche. (Dr. Ass`ad Urabi)

„In diesen schwierigen Zeiten des gegenwärtigen Krieges müssen wir innehalten und uns glücklich schätzen, dass wir noch am Leben sind und das Leben lieben. Für mich ist die Malerei der sichere Hafen der Offenbarung für das, was ich will und was ich zu tun weiß. Ich lasse es zu, dass sich das Gemälde manchmal gegen mich auflehnt. Ich füge mich mal dem, was das Gemälde gebietet und mal dem, was ich gebiete. Ich versuche, mich mit den Hütern des Geistes auseinander zu setzten. Sie greifen oft zu Tricks und täuschen uns. Das ist für mich der Tanz oder das Spiel der Gefühle. Nicht das Gefühl, dass die Dadaisten und die Surrealisten nutzten, um Poesie zu schreiben, den freien Fall imitierend. Es ist eher wie der verstorbene Künstler Fatih Almudaris es formulierte, als er sagte, er habe bei jedem Gemälde, das er gemalt hat, stets von vorne begonnen. Und so versuche ich zu arbeiten, indem ich mal mit Gefühl und mal ohne Gefühl vor meiner Staffelei stehe.“ Bassem Dahdouh

Fouad Dahdouh

1960 in Damaskus geboren. Die Bildhauerei war seine Domäne während des Studiums und später in seiner Lehrtätigkeit. Die Malerei, für die er sich später entschied, wurde dann sein Wirkungskreis. Er ist ein hervorragender Maler, dessen Name sich mit freudigen Farbfestivals verbindet. Seine Bilder wurden auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Berühmt wurde er auch durch seine Graffiti-Kunst und 3D-Design für Kulissen von Fernsehserien und – filmen. Insbesondere das altdamaszener Lokalkolorit, dessen Beispiele wir in der aktuellen Szene erleben. Seine Arbeiten reflektieren sein humorvolles und spielerisches Wesen. Zweifellos trägt auch sein sängerisches Talent zur Musikalität der Farben seiner Bilder bei, die wie ein Spiegel seinen Optimismus, seine Lebensfreude, seine Liebe zum anderen Geschlecht, seinen Witz und Humor wiedergibt. Die weibliche Silhouette stellt in seinen melodischen, regenbogenreichen Paradiesen ein zentrales Thema dar, das er mit den Farbmaterialien bis zur Grenze des Abstrakten kommuniziert. Obwohl seine spontanen Formen mit der Liebe der alltäglichen Genüsse angereichert sind, können sie die latente Traurigkeit nicht verdecken. Es verrät sie das schreiende Rot, die Splitter der bedrängten Figuren und die schroff und voreilig behauenen Flächen. (Dr. Ass`ad Urabi)

„In dieser Gruppe von Charakteren sehen wir die Farben klarer und frischer und die Formen werden immer komplexer und intensiver, alle wurden in einen statischen Raum gestellt. Figuren, die von der Verurteilung der Menschheit zeugen. Die Charaktere sind: Ich, Du und der Andere. Alle allein gelassen in der Isolation des unvermeidlichen Existentialismus.“ Fouad Dahdouh

Adnan Hamidah

Geboren 1962 in Damaskus. In seinen Werken, die durch Licht, Wind und einem stürmischen Pinsel geprägt sind, ist die Entwicklung seiner Maltechnik zu erkennen. In seinen Bildern ordnet er symbolische Elemente in straff aneinander gereihte Räume, ähnlich wie Taubennester, oder in kleine, grob behauene Zellen. Hier ist der Einfluss des palästinensischen Expressionismus auf die Sensibilität des syrischen Expressionismus zu spüren. Hamidah ist ein intellektueller Künstler. Ich erinnere mich an eine Bemerkung, die er in einem Interview über die Entstehung seiner Bilder gemacht hat. Sinngemäß meinte er, seine Technik basiere auf dem Wechsel zwischen Destruktion und Konstruktion, zwischen Abbau, Bau und erneutem Abbau bis zur Realisierung des Wesens der Problematik und der Kernfrage der Malerei. (Dr. Ass`ad Urabi)

„Ich sehe eine Bewegung in den Objekten, obwohl sie wie starre Felsen sind, wenn sie durch die Wolken ziehen wie das Schiff am Horizont. Ich möchte, dass der Betrachter herausfindet, was gezeichnet wurde, und dass er begreift, das es etwas darstellt, dass er bereits kannte, bevor es erblickt hat. Erinnerungen der menschlichen Natur, ausgesprochen als farbenfrohe Musik in Zeiten der Umweltverschmutzung. Die Bewegung von Farben und Formen ergeben Laute, die wie wunderschöne Stimmen anmuten, aber sie werden mit schwacher Stimme gerufen und es gibt niemanden, der antworten kann…“ Adnan Hamidah

Adnan Hamidah
Laila Nsser

Geboren 1941 in Lattakia. Sie setzte ihr in Syrien begonnenes Kunststudium in Kairo fort. Bezeichnend ist die Starrheit ihrer Darstellung der weiblichen Gesichter und Körper, die von der Trauer der Frau in der orientalischen Männergesellschaft gefangen sind. Ihre Werke reflektieren die Qualen des Egos und das Leid der Frauen. Die Taktfolge der dargestellten Figuren und das System der Wiederholung kommen den Darstellungen an den Wänden der ägyptischen Tempel sehr nah. Das alles verläuft innerhalb unendlicher linearer Wandlungen, abgesehen von grazilen Veränderungen in den Lichtfarben, deren Linien sich von den Flächen in einer zeitgemäßen, einzigartig intuitiven Weise loslösen." (Dr. Ass`ad Urabi)

(Lattakia Laila Mousa Nusair)

Laila Nsser: „Die Motive der Tierköpfe und menschlichen Körper dienen dazu, die schrecklichen Situationen wiederzugeben, die unsere Jugend bei diesen Angriffen erlebt hat, und die sie nun überallhin begleiten werden. Um die Schrecken des Krieges zu zeigen, die das syrische Volk mit seinen Kindern, Frauen, Jugendlichen und Ältesten erfahren haben. Sympathie für die jungen Menschen, die das Land aufbauen, haben sie doch schwere Qualen erlitten und leben nun auf einzigartige Weise miteinander in der arabischen Arena. Eine Jugend mit Zuversicht, Liebe und Loyalität gegenüber der Heimat. Wie auch mein Verantwortungsbewusstsein gegenüber meiner Heimat und der Liebe zu diesem Land.“

Nizar Sabour

Geboren 1958 in Lattakia. Vielleicht ist er der bekannteste unter den Avantgardisten der sufistischen Expressionisten in der syrischen Künstlerszene. Sein akademisches Studium in Moskau bot ihm die Möglichkeit, die rituelle Atmosphäre der orthodoxen Kirchen kennenzulernen. Er hat sich von der Kunst in den Klöstern, den Ikonen inspirieren lassen. Sabours Fundus an folkloristischen Themen ist sehr groß. Er schöpft metaphorische Entlehnungen aus dem Erbe der Glasmalerei und aus den Lebensgeschichten von Rittern und Helden der volkstümlichen Legenden und Sagen. Sein mythologisches Archiv scheint unerschöpflich zu sein, unter Anwendung „postmoderner“ Mittel und Arbeitsweise: die geklebten Holzstücke auf textilen Tableaus, die Wiedereinführung der Holzverarbeitung bei Spiegelflügeln oder die der architektonisch-futuristische Ausstattung von Gebetsnischen und Altären. Die ausgestellten Arbeiten zeigen wie er leblose Materialien wie Streusand, mit Ruß angereicherte Erde und Asche (Symbol des Todes) in komplexer Weise vermischt. Seine in dieser Mischtechnik realisierten symbolhaften Arbeiten stellen das zentrale Thema der aktuellen Katastrophe dar, das den Titel: „die lebendige Asche“ d.h. „der lebendige Tod“ verdient. (Dr. Ass`ad Urabi)

“Kunst ist kein vergnüglicher Zeitvertreib, es ist eine Lebenseinstellung”
Zur Arbeit "Wassermelone": Diese Frucht ist im Osten beliebt; dies zeigt auch die Farbatmosphäre des Gemäldes, die diese Frucht auf orientalische Weise präsentiert, wie auch der Rahmen das offene Motiv umgibt, was an orientalische Teppiche und Mosaiken aus der Region erinnert. Zur Arbeit "Olivenschale": Während der aktuellen syrischen Ereignisse suchte ich nach einem Thema, das die Syrer vereint: der Olivenbaum, dieser heilige Baum. Seine Geschichte im Osten reicht Jahrtausende zurück, und der Oliventeller steht bei allen Syrern, den Reichen und den Armen aller Religionen, Kulte und Nationalitäten auf dem Tisch! Zum Werk "Maaloula“: Die Stadt, die berühmt ist für ihre Nähe zu den Bergen, für ihre bis heute lebhafte Sprache. Die Sprache Jesu Christi. Maaloulas Geschichte reicht fast zehntausend Jahre zurück. Und während dieser langen Jahrhunderte blieb es unversehrt…bis zum Jahr 2014.“
Nizar Sabour

Edward Shahda

Geboren 1952 in Damaskus. Er zählt zu den Säulen der „Homser-Gruppe“. Vielleicht ist Shahda der konsequenteste Farbkünstler in der syrischen Kunstzene. Gelegentlich wird er mit Pierre Bonard verglichen. Die Ergiebigkeit seines Erinnerungsvermögens nährt den Fluss seiner spirituellen Themen, angefangen von den assyrischen Ikonen über die palmyrenischen Skulpturen, Legenden und Dichter-Biographien bis zu den islamischen Ornamenten. Shahda ist ein pluralistischer und laizistischer Künstler trotz der spirituellen Tiefe seiner gesättigten Farben. Er schöpft aus den Werken der großen Farblnstler wie Henri Matisse, Bonnard, Chagall und Kupka. Er schöpft aus den Werken dieser Künstler die Dynamik der mit der Musik korrespondierenden Farbverhältnisse, das vielfältige Farbklima, die Diversität ihrer Komponenten und der Beschaffenheit ihrer Strukturen. Er sucht dabei paradiesische Hymnen, in denen die feurigen Gesänge, im Blau des Ozeans gelöscht, im Vulkan des Gelb, in den Leidenschaften des Grau und der Lebensfreude des Lila schwimmen. Manch Kritiker meint, er würde träumerische Welten malen. (Dr. Ass`ad Urabi)

„Ich war immer besessen vom Zeichnen. Ich weiß nicht, wann genau ich diesen Drang zuerst empfand, aber ich weiß, dass ich ihn hatte, seit ich jung und still war. Warum zeichnen? ... Ich weiß es einfach nicht. Die Form des menschlichen Körpers fesselt mich, ich arbeite mit ihr in meiner Malerei und sie begleitet mich in meinem Lebenswerk. Kunst ist ein Feld für Wonne und Schmerz, und das Gemälde ist ein weißer Raum, um Gedanken Formen zu geben und neue zu schaffen. Zeit und Raum bestimmen meine Malerei. Die Farbe ist meine größte Leidenschaft ... Sie ist mein einziges Ausdrucksmittel, deshalb trage ich sie mit großer Sorgfalt auf die Oberfläche des Gemäldes auf. Meine Werke bestehen aus Musik und Farbe, ein kleiner Farbfleck kann eine enorme Fülle an Drama und Ausdruck haben und eine visuelle Spannung hervorrufen. Was mich immer ermüdet, sind jene schönen Formen, die auf der Oberfläche des Gemäldes entstehen und sich weigern, mit dem Rest des Werkes zu harmonieren, sodass ich nur zwei Möglichkeiten sehe, entweder die Zerstörung der Schönheit des Werkes oder aber die vollständige Zerstörung der Arbeit zugunsten des Gesamtwerkes. Indem ich die Signatur setze lasse ich das Gemälde frei.“ Edward Shahda

Geboren 1971 in Al-Hassakeh. Er ist der jüngste und der ‚wütendste‘ unter den ausstellenden Künstlern. Sehr deutlich und stark drückt er das syrische Leiden aus, sodass er heute als beredtes Symbol dieses Albtraums dasteht. Seine Bilder sind voller Horrorszenen. Särge für „Tote-Lebendige“, Leichen von Menschen, die ihren letzten Atemzug mit panischer Angst aushauchen und Augen, die auf das Ende wartend die Einzelheiten der Zerstückelung der eigenen Leiche beobachten. Seine Gemälde stellen Ausschnitte aus dieser dunklen Szene dar, wie Proben unter der Linse des Mikroskops. So bewegt sich die Gestaltung der Figuren, das Abstechen, Abschlachten und Abhäuten zwischen realistischer Darstellung und Abstraktion. Sein gestalterisches Talent zeigt sich in der Festigkeit der Zeichnung, der Exaktheit der Farbgebung und der Feinheit der Harmonie. Es häufen sich die Farbschichten in Acryl auf, bevor sie mit Kohlestiften wieder skizziert werden. Das Ganze endet mit dem Schutz der fragilen Linien durch das Besprühen mit Fixierungsmittel. Zum Ende des Malvorgangs hört er plötzlich auf, als hätte er eine Notgeburt überstanden. (Dr. Ass`ad Urabi)

Omran Younes

„Wenn Kunst zu einem Protest wird ... In diesem menschlichen Schlachthof, ein Protest gegen Schmerzen, das Unsichtbare, der Moment der Angst und des Todes, das sich zu Schreien entwickelt auf dieser weißen Leinwand, bis er zu schmerzhaften Poren wird und die schwarz gemalten Linien, wie ein Pflug den Körper der Erde durchdringt, um Kunst zu einer klaren Linie der Gewissheit zu machen ... Sein Preis ist nur das Leben selbst.“ Omran Younes

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